Page 12 - Kiebitzmarkt Bergen - Heimtier 168 April-Mai 2026
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                                                              GESUNDE


                                                              DARM­



                                                              BAKTERIEN




                                                            Kottransplantation bei
                                                           Hund und Katze



                                                       Millionen von Bakterien besiedeln den Magen­
                                                      Darm­Trakt unserer Haustiere und übernehmen dort
                                                   lebenswichtige Aufgaben. Dieses sogenannte Darmmi­
                                                krobiom beeinflusst dabei nicht nur die Verdauung, son­
                                             dern auch das Immunsystem sowie den Stoffwechsel unserer
                                            Hunde und Katzen. Doch was passiert, wenn die Balance der
                                            Mikroorganismen kippt?



             it  Blick  auf  das  Wohlbefinden  unserer  bellenden  und   ten, die in den letzten vier Wochen in einer Tierklinik oder -pen-
         Mschnurrenden  Vierbeiner  ist  eine  gesunde  Darmflora   sion untergebracht wurden. Bestimmte im Vorfeld verabreich-
          nicht zu unterschätzen. Sie hat bedeutenden Einfluss auf das   te Medikamente verhindern den Einsatz als Kotgeber. Dazu
          Immunsystem,  denn  ein  Großteil  der  Immunzellen  befindet   zählen  Antibiotika,  deren  Gabe  innerhalb  der  letzten  sechs
          sich im Darm der Tiere.                        Monate sowie Säurehemmer, die in den letzten zwei Wochen
                                                         zugeführt wurden. Ebenso müssen Infektionskrankheiten, wie
          EIN KOMPLEXES ZUSAMMENSPIEL                    Salmonellen, Campylobacter und sämtliche Darmparasiten so-
          Der Darm beherbergt eine Vielzahl an Bakterien, die als gute   wie die bei Katzen gefährlichen Viren FIV oder FeLV ausge-
          Helfer bei der Verdauung, insbesondere von Rohfasern, agieren.   schlossen werden.
          Dabei zählt nicht nur die Anzahl der Mikroorganismen, son-
          dern vor allem ihr Zusammenspiel. Dieses Netzwerk wird als   VORBEREITUNG UND VERARBEITUNG DES KOTS
          Darmmikrobiom bezeichnet und steht zunehmend im Fokus   Zur Transplantation eignet sich frisch eingesammelter Kot, der
          der Forschung rund um Gesundheit und Prävention. Ist das   möglichst innerhalb von sechs Stunden verarbeitet werden
          Gleichgewicht der Darmflora gestört, sei es durch Infektionen,   sollte. Zur Aufbewahrung dienen luftdichte Behältnisse jegli-
          Unverträglichkeiten  oder Gaben  von Antibiotika,  kann es zu   cher Art. Anhaftende Katzenstreu oder grobe Verunreinigun-
          Fehlgärungen und Durchfällen kommen, die mit der Zeit chro-  gen müssen entfernt werden. Der Kot wird mit Kochsalzlösung
          nisch werden. Genau hier setzt eine innovative Methode an, die   verdünnt und anschließend filtriert. Kommt die Mischung nicht
          sogenannte Kottransplantation. Ziel ist es, die gesunde Flora   sofort zum Einsatz, so kann sie bis zu sechs Monate lang ein-
          eines Spenders auf den erkrankten Empfänger zu übertragen   gefroren werden.
          und so seine Genesung zu fördern.
                                                         ABLAUF EINER KOTTRANSPLANTATION
          VORAUSSETZUNGEN FÜR DAS SPENDERTIER            Über Kapseln oder per Sonde als rektaler Einlauf erfolgt die
          Geeignete Spendertiere sind klinisch gesund. Unter Berück-  Verabreichung. Bei Letzterem ist es wichtig, dass der vierbeini-
          sichtigung eines 9-Punkte-Systems liegt ihr Body Condition   ge Patient vorab Kot abgesetzt oder einen Einlauf mit lauwar-
          Score (BCS), der Hinweise auf den Ernährungszustand der Vier-  mem Wasser erhalten hat. Bei großen Hunden werden zehn
          beiner gibt, bei einem Hund idealerweise zwischen vier und   bis 20 Milliliter der Mischung pro Kilogramm Körpergewicht,
          fünf, und bei einer Katze bei fünf. Weitere Kriterien sind ein   bei kleinen Hunden und Katzen fünf bis zehn Milliliter pro Kilo-
          Mindestalter  von  zwölf  Monaten.  Darüber  hinaus  sollten  die   gramm eingeführt. Im Anschluss ist es wichtig, dass das Emp-
          Tiere zudem jünger als 75 Prozent ihrer zu erwartenden Le-  fängertier ca. ein bis zwei Stunden keinen Kot absetzt. Die Be-
          bensdauer sein. Generell werden Katzen in Einzel- und Woh-  handlung kann einmalig oder über mehrere Wochen erfolgen.
          nungshaltung vorgezogen.


          Vierbeiner mit akuten oder chronischen Darmproblemen
          scheiden als Spendertiere aus. Ungeeignet sind auch Patien-
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