Page 8 - Kiebitzmarkt Bergen - Heimtier 168 April-Mai 2026
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Nobody is perfect
Unerwünschtes Verhalten bei Hund und Katze
Buddeln, Jagen, Kratzen, Markieren oder Bellen gehören zu den angeborenen Verhaltensweisen unserer
Hunde und Katzen, die wichtige soziale und emotionale Funktionen erfüllen. Somit sind diese zu
nächst völlig normal, solange sie im Einklang mit einem harmonischen Zusammenleben stehen.
er Hund bellt nicht, um zu ärgern, sondern weil er etwas häufiger offensiv mit Zerstörungsdrang, Leinenpöbeln oder
Dmeldet, sich langweilt oder gar unsicher ist. Die Katze kratzt übermäßigem Bellen. In beiden Fällen ist das Verhalten ein Sym-
nicht aus Bosheit am Sofa, sondern pflegt ihre Krallen und ptom und kein Charakterfehler.
markiert ihr Revier. Unsere Vierbeiner handeln lediglich gemäß
ihren Bedürfnissen, Instinkten und Lernerfahrungen. Aus ver- LERNEN AM FALSCHEN OBJEKT
haltensbiologischer Sicht gibt es daher kaum unerwünschtes Ein großer Teil unerwünschten Verhaltens bei Hund und Katze
Verhalten, sondern eher missverstandene Kommunikation. entsteht nicht aus Absicht, sondern aus erfolgreichem Lernen.
Verhaltensbiologisch gilt ein einfacher Grundsatz: Verhalten,
STRESS ALS HÄUFIGE URSACHE das sich lohnt, wird wiederholt. Dabei entscheidet allein die
Studien belegen, dass Stress einer der Hauptauslöser für auf- Perspektive des Tieres und nicht unsere Bewertung.
fälliges Verhalten bei unseren bellenden und schnurrenden
Vierbeinern ist. Veränderungen im Alltag, zu wenig Ruhe, eine Ein Hund, der während des Alleinseins jault und dafür nach der
falsche Auslastung oder soziale Konflikte wirken sich direkt auf Rückkehr seines Menschen besonders viel Aufmerksamkeit er-
das Verhalten der Tiere aus. Bei Katzen äußert sich Stress oft hält, lernt: Laut sein bringt Nähe. Eine Katze, die nachts miaut
subtil, etwa durch Unsauberkeit oder Rückzug. Hunde reagieren und daraufhin Futter erhält, speichert ab: Nachtaktivität lohnt

