Page 8 - Kiebitzmarkt Bergen - Heimtier 168 April-Mai 2026
P. 8

8














































          Nobody is perfect








          Unerwünschtes Verhalten bei Hund und Katze


          Buddeln, Jagen, Kratzen, Markieren oder Bellen gehören zu den angeborenen Verhaltensweisen unserer
          Hunde und Katzen, die wichtige soziale und emotionale Funktionen erfüllen. Somit sind diese zu­
          nächst völlig normal, solange sie im Einklang mit einem harmonischen Zusammenleben stehen.




             er Hund bellt nicht, um zu ärgern, sondern weil er etwas   häufiger  offensiv  mit  Zerstörungsdrang,  Leinenpöbeln  oder
         Dmeldet, sich langweilt oder gar unsicher ist. Die Katze kratzt   übermäßigem Bellen. In beiden Fällen ist das Verhalten ein Sym-
          nicht  aus  Bosheit  am  Sofa,  sondern  pflegt  ihre  Krallen  und   ptom und kein Charakterfehler.
          markiert ihr Revier. Unsere Vierbeiner handeln lediglich gemäß
          ihren Bedürfnissen, Instinkten und Lernerfahrungen. Aus ver-  LERNEN AM FALSCHEN OBJEKT
          haltensbiologischer Sicht gibt es daher kaum unerwünschtes   Ein großer Teil unerwünschten Verhaltens bei Hund und Katze
          Verhalten, sondern eher missverstandene Kommunikation.   entsteht nicht aus Absicht, sondern aus erfolgreichem Lernen.
                                                         Verhaltensbiologisch gilt ein einfacher Grundsatz: Verhalten,
          STRESS ALS HÄUFIGE URSACHE                     das sich lohnt, wird wiederholt. Dabei entscheidet allein die
          Studien belegen, dass Stress einer der Hauptauslöser für auf-  Perspektive des Tieres und nicht unsere Bewertung.
          fälliges Verhalten bei unseren bellenden und schnurrenden
          Vierbeinern ist. Veränderungen im Alltag, zu wenig Ruhe, eine   Ein Hund, der während des Alleinseins jault und dafür nach der
          falsche Auslastung oder soziale Konflikte wirken sich direkt auf   Rückkehr seines Menschen besonders viel Aufmerksamkeit er-
          das Verhalten der Tiere aus. Bei Katzen äußert sich Stress oft   hält, lernt: Laut sein bringt Nähe. Eine Katze, die nachts miaut
          subtil, etwa durch Unsauberkeit oder Rückzug. Hunde reagieren   und daraufhin Futter erhält, speichert ab: Nachtaktivität lohnt
   3   4   5   6   7   8   9   10   11   12   13