Page 11 - Kiebitzmarkt Bergen - Heimtier 169 Juni-Juli 2026
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Zugleich bieten Tiere uns Menschen eine bedingungs-
lose Präsenz und ihre Kommunikation ist unmittelbar
und direkt. Studien aus der Psychologie und Verhaltens-
forschung zeigen, dass der Umgang mit Tieren Stress
reduzieren, Einsamkeit lindern und das subjektive
Wohlbefinden steigern kann. Insbesondere in Zeiten
gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Verunsicherung
ist die Wirkung von großer Bedeutung.
EMOTIONALE BINDUNG
Dass viele Menschen ihre Haustiere als Familienmit-
glieder bezeichnen, ist Ausdruck einer tiefen emotionalen
Bindung. Tiere begleiten uns oft über viele Jahre, reagieren
auf Stimmungen und Ereignisse und werden Teil persönlicher
Erinnerungen. Geburtstage, Umzüge, Beziehungen oder Trauer,
all das geschieht häufig im Beisein eines tierischen Gefährten.
Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich diese Bindung erklären.
Mensch und Tier können stabile Bindungsbeziehungen ent-
wickeln, die ähnlichen Mustern folgen wie zwischenmenschliche
Beziehungen. Hormone wie Oxytocin, das sogenannte „Bin-
dungshormon“, spielen dabei eine zentrale Rolle. Blickkontakt,
Berührung und gemeinsame Routinen fördern Vertrauen und Viele Halterinnen und Halter investieren bewusst Zeit und Geld
Nähe auf beiden Seiten. in eine artgerechte Pflege, Ernährung und medizinische Vor-
sorge. Eine tierärztliche Versorgung, qualitativ hochwertige
Hinzu kommt ein kultureller Wandel. Während Tiere in früheren Futtermittel sowie das Wissen über Verhalten und Bedürfnisse
Zeiten vor allem funktionale Rollen als Mäusefänger, Wach- gelten für viele Tierfreund:innen zunehmend als Selbstver-
hunde oder Nutztiere ausfüllten, stehen sie heute als tierische ständlichkeit. Diese Haltung trägt dazu bei, Tiere als Mitge-
Persönlichkeit mit individuellen Eigenschaften im Vordergrund. schöpfe wahrzunehmen, deren Wohlergehen untrennbar mit
Sie erhalten einen Namen, werden medizinisch versorgt und in dem eigenen verbunden ist.
Entscheidungsprozesse einbezogen, etwa bei der Wohnungs-
wahl oder Urlaubsplanung. Diese Entwicklung spiegelt ein ver- GESELLSCHAFTLICHE BEDEUTUNG
ändertes ethisches Verständnis wider, das Tieren einen eigenen Heimtiere prägen darüber hinaus auch das gesellschaftliche
Wert zuschreibt. Miteinander. Hundewiesen, Vereine, Tierheime und mögliche
digitale Communities schaffen Begegnungsräume. Tiere fun-
gieren als ein soziales Bindeglied, erleichtern Kontakte und
fördern Empathie. Kinder lernen durch den Umgang mit ihnen,
Rücksicht, Fürsorge und Verantwortung zu nehmen und zu
übernehmen.
Gleichzeitig steht die Heimtierhaltung vor neuen Herausfor-
derungen. Fragen der Nachhaltigkeit, einer verantwortungsvollen
Zucht, Importen aus dem Ausland und der Vereinbarkeit von
Tierwohl und modernen Lebensstilen werden intensiver disku-
tiert. Diese Debatten zeigen die Bedeutung des Themas und
die Stellung der Heimtiere innerhalb unserer Gesellschaft.
VERTIEFENDE EINBLICKE IM INTERVIEW
Wer sich mehr mit den Hintergründen und Entwicklungen
der Heimtierhaltung in Deutschland befassen möchte, findet
spannende Einblicke in unserem Interview mit Gordon Bonnet,
VERANTWORTUNG ALS VERBINDENDES ELEMENT Geschäftsführer und CEO des ZZF — Zentralverband der Heim-
Heimtierhaltung ist jedoch nicht nur emotional, sondern auch tierbranche e. V. — sowie der Wirtschaftsgemeinschaft Zoo-
moralisch geprägt. Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt Verant- logischer Fachbetriebe GmbH (WZF).
wortung für ein fühlendes Wesen mit artspezifischen Bedürf-
nissen. In Deutschland ist dieses Verantwortungsbewusstsein
rechtlich und gesellschaftlich stark verankert. Das Tierschutz- Anschauen
gesetz formuliert klar, dass niemand einem Tier ohne Grund und reinhören:
Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Heimtier-TV Heimtier-Podcast

