Page 19 - Kiebitzmarkt Bergen - Heimtier 168 April-Mai 2026
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        Wer sich zum ersten Mal die geselligen Mümmler in
        die eigenen vier Wände holt, sollte mindestens paar-
        weise denken. Bei der Aufnahme eines weiteren Kanin-
        chens, beispielsweise in eine bestehende Gruppe
        oder als neuen Partner für ein Einzeltier, ist bei der
        Vergesellschaftung darauf zu achten, dass der Neu-
        ankömmling zur Gruppe oder dem verbliebenen Art-
        genossen passt. Geduld und ausreichend Zeit zur
        Gewöhnung aneinander ist die Basis einer friedlichen
        Vergesellschaftung.

        GLEICH UND GLEICH GESELLT SICH GERN
        Bereits bei der Auswahl der einzelnen Tiere können Halter:in-
        nen möglichst gute Startbedingungen schaffen. Am ein-
        fachsten klappt es in der Regel, sind die Tiere etwa gleich alt
        und ähnlich groß. Wer einem älteren Kaninchen einen neuen
        Kumpel dazuholen möchte, wählt idealerweise ein Jungtier, da
        dieses in die bestehende Rangordnung hineinwächst und sich
        möglicherweise erst später einmal behaupten möchte. Der
        Start mit dem Einzug eines niedlichen Jungtierpärchens ist in
        der Regel problemlos, denn sie wachsen gemeinsam in ihre
        neue Partnerschaft hinein.
                                                       Sind die Rangeleien beendet und die Kaninchen sitzen ruhig
        AUF NEUTRALEM BODEN                            zusammen und fressen nebeneinander, können sie ihr ge-
        Zieht ein neues Kaninchen ein, ist es ratsam, dem kleinen   meinsames Gehege beziehen. Kämpfe sollte es nun nur noch
        Hausgenossen erst einmal ein bis zwei Wochen Zeit zu geben,   vereinzelt geben. Über die kommenden Wochen gewöhnen
        sich  in seinem neuen  Umfeld einzuleben.  Die  vorhandenen   sich die Tiere weiter aneinander und wachsen als Gruppe zu-
        und neuen Tiere werden daher zunächst für einige Zeit an ei-  sammen.
        nem neutralen und möglichst großen Begegnungsort zusam-
        mengeführt, denn dort bestehen keine Revieransprüche und   ZEIT UND GEDULD MITBRINGEN
        alle Tiere müssen sich neu orientieren. Wichtig ist zudem, für   Wie lange eine Vergesellschaftung dauert, unterscheidet sich
        ausreichend Flucht- sowie Versteckmöglichkeiten zu sorgen.   mitunter stark. Von einigen Tagen bis wenige Wochen beträgt
        Dafür eignen sich Häuschen, Tunnel, aber auch Kartons, die   mitunter der Zeitraum einer Zusammenführung. Geduld und
        allerdings noch nicht von einem der Tiere markiert sein dürfen.   das regelmäßige Beobachten der Tiere durch den oder die
        Grundsätzlich müssen Sackgassen vermieden werden, in denen   Halter:in ist unbedingt erforderlich.
        ein Tier in die Enge getrieben werden kann.
                                                       Steht nach einer erfolgreichen Zusammenführung ein Termin
        Schwieriger ist es mit der Neutralität, besteht bereits eine größere   bei einem Tierarzt oder einer Tierärztin an, empfiehlt es sich,
        vorhandene Gruppe und ein neues Kaninchen kommt dazu. In   gleich alle Tiere vorzustellen. Ansonst könnte eine neue Ver-
        diesem Fall kann lediglich der Ort Neutralität bieten, dennoch   gesellschaftung notwendig werden, wenn die Bande noch
        bleibt die alte Gruppendynamik bestehen. Ein neues Tier in   nicht stark genug sind.
        eine größere Gruppe zu vergesellschaften, sollte daher stets                             IVH
        wohl überlegt sein.

        KÄMPFE UM DIE RANGORDNUNG
        Grundsätzlich kann es bei der Zusammenführung von Kanin-
        chen durchaus dynamisch zugehen. Insbesondere bei den ersten
        Begegnungen der Tiere sollte der Mensch stets in der Nähe
        sein, um gegebenenfalls eingreifen zu können. Ein Hinterher-
        jagen der Tiere ist völlig normal. Solange keine Verletzungen
        entstehen, raten Expert:innen, die Kaninchen nicht wieder zu
        trennen. Kämpfe gehören bei den Tieren dazu. Anders sieht es
        allerdings aus, verbeißen sich die Tiere ineinander oder die
        Einschüchterung eines Tieres ist gar so groß, dass es sich im
        Fressverhalten oder im dauerhaften Rückzug äußert. In diesen
        Fällen ist eine Trennung der Raufbolde in zwei separaten Räumen
        über etwa ein bis zwei Wochen erforderlich, bevor ein neuer
        Versuch der Vergesellschaftung gestartet werden kann.
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