Page 45 - Kiebitzmarkt Bergen - Heimtier 169 Juni-Juli 2026
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ter:innen vernetzen, um sich konstruktiv austauschen
zu können. Auf diesem Weg werden wichtige Erfah-
rungswerte und Tipps für eine bessere Tierhaltung
ausgetauscht. Ebenso können Tierinhalte den Tier-
schutz stärken, indem auf Missstände aufmerksam
gemacht wird, Tierheime mehr Sichtbarkeit erhalten
oder Menschen für kritische Themen sensibilisiert
werden. Es ist sinnvoll, derartige verantwortungsvolle
Vorbilder, die auf eine artgerechte Tierhaltung hin-
weisen oder gar aktiv zum Tierschutz beitragen, durch
Likes, das Folgen oder Teilen der Inhalte zu unterstützen.
RÜCKT DAS WOHLBEFINDEN DER TIERE
IN DEN HINTERGRUND?
Aus Sicht vieler Tierschützer:innen lässt sich der Trend der
Tierdarstellung auf Social Media kritisch hinterfragen, da mit
wachsender Reichweite auch der Druck, permanent neue In-
halte generieren zu müssen, steigen kann. Die Befürchtung,
dass das Wohlbefinden der Tiere in den Hintergrund rückt und
diese als bloßes Mittel zur Unterhaltung dienen, ist nicht un-
begründet.
Durch Vermenschlichung besteht die Gefahr, dass eine art-
gerechte Haltung vernachlässigt wird. Ein Beispiel dafür sind dazu führen, dass Zuschauer:innen sich ebenfalls ein Tier dieser
Verkleidungen bei Katzen. Ja, eine Katze mit einem Kostüm Rasse wünschen und aufgrund erhöhter Nachfrage diese
wirkt auf den ersten Blick amüsant und schnell geraten wir als Zuchten steigern.
Betrachter:innen ins Schmunzeln. Doch was steckt wirklich
dahinter? Katzen mögen es nicht, Kleidung zu tragen. Es PROBLEMATISCHE TIERINHALTE ERKENNEN
schränkt ihre Bewegungen, Wahrnehmung und Körpersprache Aufgrund der hohen Anzahl an problematischem Content ist
ein. Das ungewollte „Outfit“ kann somit zu Stress, Panik und es wichtig, dass du ihn erkennst und nicht unbewusst unter-
sogar Verletzungen führen. stützt. Kritische Videos lassen sich oft daran erkennen, dass
Tiere künstlich in Szene gesetzt oder in bedrohliche Situationen
Auch das angebliche Grinsen eines Hundes wirkt oft missver- gebracht werden. Auch eine gestresste Körperhaltung der Tiere,
ständlich. Denn mag das Zähne zeigen auch dem eines Lächelns wie weit geöffnete Augen, geweitete Pupillen, angelegte
ähneln, ist es häufig ein Beschwichtigungssignal oder ein Ohren, Zittern und Wegdrehen, sind alarmierende Zeichen.
Angstverhalten des Tieres. Somit darf es eher als ein Ausdruck
von Unwohlsein denn von Spaß gewertet werden. WAS KANNST DU TUN?
Du kannst gegen tierschutzwidrige Inhalte tatsächlich etwas
Ein weiteres beliebtes Videomotiv ist die Darstellung sich er- tun. Interagiere nicht damit. Allein das Anschauen dieser Inhalte
schreckender Hunde und Katzen. Was für uns Menschen unter- generiert Reichweite. Ebenso sorgen negative Reaktionen für
haltsam erscheint, ist für die Tiere nicht selten mit echter eine Hervorhebung im Algorithmus. Melde die Inhalte, die dir
Angst und Furcht verbunden. Aufnahmen, die das heimliche negativ auffallen und nutze die Einstellungen der Social Media-
Ablegen einer Gurke hinter oder neben einem Vierbeiner zeigen Kanäle, damit diese zukünftig seltener angezeigt werden. So-
und den Schreckmoment des Tieres, wenn es sich umdreht, mit machst du auf unerwünschte Beiträge aufmerksam.
filmen, mögen uns zum Lachen bringen, setzen den Vierbeiner An die Plattformen stellt der Deutsche Tierschutzbund direkte
allerdings bewusst unter Stress. Forderungen und appelliert an die Verantwortung der Betrei-
ber:innen, strengere Richtlinien durchzusetzen und tierschutz-
Problematisch wird es zudem, werden Tiere absichtlich in Ge- widrige Inhalte konsequent zu entfernen. Bei Verstößen soll
fahr gebracht, um Fake-Rettungen zu inszenieren. Derartige somit schneller und härter reagiert werden.
Inhalte sind nicht nur manipulativ, sondern bringen die Tiere in
lebensbedrohliche Situationen. DU KANNST ETWAS BEWEGEN
Am Ende entscheidet nicht nur der Algorithmus, was groß wird,
Kritisch zu betrachten ist auch der Umgang mit Qualzuchten. sondern auch du. Hinterfrage Inhalte und vermeide es, proble-
Rassen wie Möpse, Französische Bulldoggen oder Scottish- matischen Content zu unterstützten, denn damit setzt du ein
Fold-Katzen sind auf Social Media sehr präsent und werden klares Zeichen: Tierwohl geht vor Klicks. Unterstütze gerne In-
oftmals als besonders süß inszeniert und wahrgenommen. halte, die Tiere respektvoll und artgerecht darstellen, und melde
Häufig bleibt dabei unerwähnt, dass diese Tiere aufgrund ge- Videos, die Grenzen überschreiten. So wird aus „Oh, wie süß!“
zielt gezüchteter Merkmale mit teils schweren gesundheitlichen ein „Oh, wie verantwortungsvoll!“ und Social Media ein Stück-
Einschränkungen leben. Eine unkritische Darstellung kann chen besser für jedes Tier.

