Page 36 - Kiebitzmarkt Bergen - Heimtier 169 Juni-Juli 2026
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Wachposten mit langen Löffeln
Beliebte Aussichtsplätze
für Kaninchen
Kaninchen müssen stets auf der Hut sein. Viele
Aussichtsplätze garantieren den Fellnasen einen
guten Rundumblick und bieten gleichzeitig viel
Hör- und Geruchsfreiheit.
er als Langohr zur Welt kommt, hat es gar nicht so leicht.
WGeboren als Beutetier, verfügen die Wildkaninchen über
keine wirksamen Verteidigungsmittel. Sie haben weder gefähr-
liche Pranken noch ein Raubtiergebiss. Nicht einmal einen
Schutzpanzer oder ein wirksames Gift können sie vorweisen.
Deshalb versuchen die Kaninchen jede Art der Konfrontation
mit dem Feind zu vermeiden. Ihre altbewährte Überlebensstrategie
heißt: weglaufen, verstecken und reglos ausharren.
TEAMWORK MACHT STARK
Um Feinde rechtzeitig enttarnen zu können, hat die Natur die
Kaninchen mit leistungsfähigen Sinnen ausgestattet, allen vor-
an ein exzellentes Hörvermögen, eine gute Fernsicht und ein
hochentwickelter Geruchssinn. Gepaart mit flinken Pfoten, einem
blitzschnellen Reaktionsvermögen und einer großen Portion
Cleverness gelingt es den Fellnasen, viele Angreifer auszutricksen.
Doch allein wäre ein Kaninchen kaum überlebensfähig, denn
auch das pfiffigste Langohr kann nicht rund um die Uhr im Ein-
satz sein. Deshalb leben die Wildkaninchen in großen Familien-
verbänden zusammen und betreiben intensives Teamwork.
Einen Großteil ihrer Zeit verbringen sie unterirdisch in einem
selbst gegrabenen, weit verzweigten Tunnelbau. Bei jedem
Höhlenausflug werden einige Sippenmitglieder als Aufpasser
abkommandiert, die über die Artgenossen wachen. Droht
Gefahr, rühren sie eilig die Buschtrommel, indem sie kräftig mit
den Hinterpfoten klopfen. Im Nu ist die gesamte Sippe im
nächstgelegenen Tunnel verschwunden.
Die Wächter nehmen ihren Job sehr ernst, denn schließlich
tragen sie nicht nur die Verantwortung für den Einzelnen, son-
dern sichern das Überleben der gesamten Kolonie. Um ihre
Arbeit gewissenhaft erledigen zu können, suchen sich die Auf-
passer gern einen erhöhten Standort, wie einen Hügel, einen
Erdwall oder eine Böschung. Zwischendurch richten sie sich
immer wieder auf den Hinterpfoten auf, um einen noch besseren
Überblick zu haben und auch die oberen Luftschichten einer
genauen Geruchsanalyse zu unterziehen. In dieser Stellung
können sie minutenlang ausharren. Nur die Drehbewegung
der langen Löffel, die sich unabhängig voneinander ausrichten
können, zeugt von der erhöhten Alarmbereitschaft.

