Page 33 - Kiebitzmarkt Bergen - Heimtier 168 April-Mai 2026
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nach trennen sich die Wege des Paares wieder, denn
Igel sind Einzelgänger und Nahrungskonkurrenten.
Die trächtige Igelin baut in einem regen- und wind-
geschützten Versteck ein großes weich gepolster-
tes Nest aus Gras, Laub und Moos.
AUGUST UND SEPTEMBER
War die Paarung erfolgreich, purzeln nach 35 Tagen
zwei bis sieben Igelbabys blind und taub in die Welt.
Sie sind gerade mal vier bis sechs Zentimeter lang
und zwölf bis 25 Gramm schwer. Ihre rosa Haut ist be-
reits mit weichen, weißen Stacheln gespickt, die jedoch
noch eng in die Rückenhaut eingelegt sind, um die Mama
bei der Geburt nicht zu verletzen. Die Säugezeit beträgt ca.
sechs Wochen. Nach gut 14 Tagen öffnen sich die Augen und
Ohren der Babys, eine Woche später stoßen die Zähnchen
durch. Ab dem 24. Tag folgen die Kleinen der Mama nach
draußen. Instinktiv sammeln sie dabei ihre ersten Blätter und
schleppen sie zurück zum Nest. Eine Unterweisung in Nah- ©Esther Schmidt
rungskunde gibt es jedoch nicht. Hier sind die Kleinen auf sich
gestellt, denn sie zählen bereits jetzt zur Futterkonkurrenz.
OKTOBER zwischen zwei und vier Jahren, obwohl sie naturgemäß sieben
Die Igelfamilie löst sich auf. Höchste Zeit für den Jungigel, sich bis zehn Jahre alt werden können.
ein dickes Speckpolster zuzulegen, denn das Futterangebot
wird langsam knapp. Mit genügend Nahrung kann er zehn DEZEMBER, JANUAR UND FEBRUAR
Gramm pro Nacht zunehmen. Er wiegt jetzt etwas mehr als Nahrungsarmut, Temperaturrückgang, verkürzte Tageszeiten
300 Gramm, doch um den Winter zu überleben, muss er min- und ein dickes Fettpolster setzen seit Millionen von Jahren im-
destens das Doppelte auf die Waage bringen. mer den gleichen Prozess in Gang: den Winterschlaf. Der Stoff-
wechsel des Igels arbeitet auf Sparflamme, die Körpertempe-
NOVEMBER ratur sinkt von 35 Grad Celsius auf bis zu fünf Grad Celsius ab.
Je nach Lage und Witterung hat sich der erwachsene Igel Herzschlag und Atmung verlangsamen sich. Pro Minute
längst wohlgenährt zum Winterschlaf zusammengerollt. Seine schlägt das Herz statt 180-mal nur noch acht- bis neunmal und
Schlafkammer ist ein architektonisches Meisterwerk. Unzähli- die Atemzüge verringern sich von 40 auf vier. Je weiter der Igel
ge trockene Blätter werden durch unermüdliche Drehbewe- seine Körperfunktionen drosselt, umso mehr Energie spart er
gungen des stacheligen Baumeisters zwischen Reisig oder ein. Das weiße Fett der Fettreserven dient zur langsamen,
Zweigen auf bis zu 20 cm Wandstärke nach allen Seiten gleichmäßigen Energieversorgung während des langen Winter-
schuppenartig verdichtet und gepresst. Das Winterquartier ist schlafes. Das braune Fett hingegen ist ein schneller Energie-
dadurch bestens gegen Nässe, Kälte und Kleinlebewesen iso- spender für den Aufwachvorgang im Frühjahr. Zudem fungiert
liert. Über dieses Knowhow verfügen Jungigel noch nicht. Aus es als „Notwecker“, falls die Körpertemperatur unter vier Grad
Mangel an Erfahrung versäumen sie es oft, sich rechtzeitig Celsius absinkt und verhindert so den sicheren Erfrierungstod.
ausreichende Fettpolster anzufuttern und mit dem Nestbau zu Sobald es draußen wieder wärmer wird, nimmt ein neues Igel-
beginnen. Daher überleben 60-70 Prozent aller Jungigel ihren jahr seinen Lauf.
ersten Winter nicht. Die Lebenserwartung der Igel liegt heute Esther Schmidt
©Esther Schmidt

